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Ein Artikel vom Münchner Merkur/Tierfreunde.de:

 

Ein Mustang in der Tierklinik

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Cheyenne mit ihrem Besitzer Hans-Jürgen Neuhauser. Foto: no

München- Cheyenne weiß, was es heißt, sich zu wehren. Früher musste sie vor Bären flüchten und sich gegen Wölfe verteidigen. Dass sich die Mustang-Stute zur Wehr setzen kann, haben auch die Tierärzte und Pfleger schon zu spüren bekommen. Nach einem Unfall Anfang Mai, bei dem sich das Pferd schwere Verletzungen am Kopf zuzog, wurde Cheyenne in der Tierklinik der LMU München operiert.

Auf dem Namensschild an ihrer Klinikbox steht in Großbuchstaben: “Nicht die Ohren berühren. Halfter drauf lassen.” Vor zwei Jahren galoppierte Cheyenne noch über die Steppe Wyoming, ließ sich von keinem Menschen freiwillig berühren. Die kleine, braun-graue Stute stammt aus den USA und ist im Sommer 2007 als wahrscheinlich erster ehemals wild lebender Mustang zusammen mit ihrer Tochter Wyoming nach Bayern gekommen. Hans-Jürgen Neuhauser ist der stolze Pferdebesitzer. Seit vielen Jahren schon verfolgt und lehrt der 45-Jährige seine eigene Philosophie, was den Umgang mit Pferden angeht. Diese basiert auf der Körpersprache. “Nur über eine klar definierte Körpersprache, in der sich das Pferd verstanden fühlt, kann ein Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Pferd entstehen”, erklärt Neuhauser.

chey3Cheyenne trottet mit einem Strick um den Hals ihrem Besitzer durch den Hof der Tierklinik hinterher. Am Halfter darf die Stute wegen der schweren Kopfverletzungen noch nicht geführt werden. Eines Nachts Anfang Mai geschah der schreckliche Unfall, bei dem Cheyenne womöglich ein Auge verloren hat. Die Stute rannte in vollem Galopp in die Eisenstangen, die ihren Offenstall abgrenzen. Der Grund dafür ist unerklärlich. Mit einem Jochbeinsplitterbruch sowie einer Fraktur des Jochbeinfortsatzes über dem linken Auge wurde die Stute in die Tierklinik am Englischen Garten gebracht. In einer mehrstündigen Operation hat ein Augenspezialist das Pferd operiert. Das Jochbein wurde mit Draht stabilisiert, das Auge wieder in seine ursprüngliche Position gebracht und die Nerven zusammengenäht. Ob der Sehnerv bei dem Unfall nachhaltig geschädigt wurde, steht erst nach acht bis neun Wochen fest.

Das Lid hängt noch schlaff über Cheyennes linkes Auge, nur durch einen schmalen Spalt ist das Pferdeauge zu sehen. “Der Lidschluss funktioniert noch nicht, das hängt mit den Nerven zusammen”, sagt Hans-Jürgen Neuhauser. Zweimal pro Tag versorgt er Cheyenne, tupft ihre Wunden ab, trägt Salbe auf und gibt ihr Medikamente, wofür chey4Pfleger und Tierärzte dankbar sind. Immerhin war er der erste Mensch, vom sich Cheyenne freiwillig hat berühren lassen. “Sie lässt sich von niemand anderem so behandeln”, sagt der Pferdemann. Dann dreht er einige Runden mit der Stute- “Hofgang”. Das Pferd folgt seinem Besitzer an der Longe, die lose um ihren Hals baumelt, über das Gelände der Tierklinik. Es herrscht geschäftiges Treiben. “Wäre sie nicht so auf die Körpersprache trainiert, wäre das nicht möglich.” Cheyenne vertraut Hans-Jürgen Neuhauser blind. “Du bist obertapfer”, murmelt der Mann mit dem langen Pferdeschwanz seiner Stute ins Ohr. Zum Abschluss darf sie natürlich noch ein paar Happen Gras fressen.

Cheyenne und ihre Tochter Wyoming haben sogar eine eigene Internet-Seite:
Auf www.cheyenne-und-wyoming.de gibt es weitere Informationen über die beiden Mustangs.

no/Münchner Merkur



 

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